Videografie-Mikrofon: Welches Gerät für welchen Dreh?

Als Videografie-Mikrofon eignen sich sehr viele Geräte. Jedoch muss man sich nicht nur für eines der Modelle entscheiden. Zunächst entscheidet man sich für eine bestimmte Bauart. Doch welcher Mikrofontyp eignet sich für welche Drehsituation besonders? Diese Frage wird im Folgenden beantwortet. Ebenso werden die Grundlagen der richtigen Nutzung dieser verschiedenen Typen erklärt.

Wenn um das richtige Videografie-Mikrofon geht, ist der wichtigste Tipp, überhaupt ein Mikrofon zu benutzen. Das klingt zwar absolut selbstverständlich. Jedoch werden sehr viele Videos in den sozialen Medien lediglich unter Nutzung eines kamerainternen Mikrofons aufgenommen. Dieses ist qualitativ aber meilenweit von fast allen externen Mikrofonen entfernt und daher absolut nicht zu empfehlen. Das bedeutet jedoch nicht, dass man das interne Mikrophon gar nicht benutzen sollte. Dessen Aufnahmen sind sehr hilfreich, wenn man den Ton mit einem externen Recorder aufnimmt. Dann kann man im Schnittprogramm die Tonspur des externen Aufnahmegerätes mit der des internen Mikrofones synchronisieren. Doch dies ist ein Thema für sich. Mehr dazu findet ihr in meinem Blogartikel zur richtigen Anwendung der Mikrophone und zur Sound-Nachbearbeitung.

Kamera mit Lavalier-Set auf einem Stein

Guter Sound wird in der Videografie oft unterschätzt

Die Bedeutung der Audioqualität wird häufig unterschätzt. Besonders bei kleinen Videoclips für YouTube, facebook oder Instagram gilt die Aufmerksamkeit meist hauptsächlich einem gelungenen Bild. Doch ein guter Ton ist nicht weniger wichtig. Dies lässt sich an folgendem Beispiel verdeutlichen. Eine Menge Leute haben durchaus Spaß daran, einen Film auf einem kleinen, oft sogar noch spiegelnden Handydisplay anzusehen. Dies geschieht dann aber meist mit Kopfhörern. Doch was wäre, wenn man einen Film auf einer imposanten Kinoleinwand, dafür aber mit der Tonqualität eines internen Handylautsprechers ansehen würde? Hier käme wohl kaum ein langfristiger Filmgenuss zustande.

Auch leichte Unschärfen, Kamerawackler oder Helligkeitsschwankungen werden vom Zuschauer meist noch verziehen. Ein knackender, undeutlicher oder verzerrter Ton jedoch kaum. Ton wird im Gehirn schneller verarbeitet als Bilder. Er erzeugt somit noch unmittelbarer Emotionen. Besonders im Zusammenspiel mit passend ausgewählter Musik hat man als Videograf einen großen Einfluss auf die Stimmungslage seiner Zuschauer bzw. Zuhörer. Nur durch eine gute Audioqualität wirkt ein Film daher wirklich eindringlich, professionell und verankert sich positiv.

Bei Erklär- und Bildungsvideos ist die Tonqualität noch einmal besonders wichtig. Diese werden oft im Hintergrund einer anderen Aktivität abgespielt. D.h. der Zuschauer ist größtenteils nur ein Zuhörer.  Und ein Zuhörer erwartet natürlich auch eine 1A-Tonqualität wie im Radio oder bei einem Podcast. Hat die Tonqualität hier Schwächen, wird es schwerer, und somit auch unangenehmer, dem Inhalt zu folgen.

Doch welches Mikrofon sorgt für den besten Ton? Das kommt natürlich ganz auf die Art des Drehs an. Mehr noch aber kommt es darauf an, das jeweilige Mikrofon richtig zu verwenden. Dabei kann man ganz pauschal sagen: Das beste Mikrofon ist jenes, das am nächsten an der Tonquelle ist. D.h. man kann ein noch so hochwertiges und teures Mikrofon besitzen. Wenn es zu weit weg ist, hat man dennoch keinen guten Ton.

Im Folgenden sollen die verschiedenen gängigsten Bauarten von Mikrofonen vorgestellt werden. Dabei gibt es nicht das eine richtige Mikrofon für alle Situationen. Für die allermeisten Drehs ist jedoch eine der folgenden Mikrofon-Bauarten genau die richtige.

Welches Videografie-Mikrofon passt bei welcher Art von Dreh?

Richtmikrofon auf Kamera

Shotgun-Mikrofon / Richtmikrofon – das beste Allround Videografie-Mikrofon

Ein Shotgun-Mikrofon (oder zu Deutsch: Richtmikrofon) ist die wohl häufigste Wahl bei Videografen. Es zeichnet sich dadurch aus, dass es fast ausschließlich Geräusche in der Richtung aufnimmt, in die es gerichtet wird. Störende Umgebungsgeräusche werden ausgeblendet. Dies ermöglicht klare, deutliche Aufnahmen der gewählten Tonquelle. Ein Richtmikrofon wird in der Regel direkt an bzw. auf der Kamera angebracht oder an einer Tonangel montiert.

Ein Richtmikrofon zur Montage direkt auf der Kamera ist empfehlenswert, wenn man Run and Gun filmt. D.h. wenn man in einem ungeplanten, dynamischen Setting filmt. Das Rode Videomic Pro oder das Sennheiser MKE 400, sind eine oft verwendete, sehr gute Wahl. Sie sind sehr vielseitig einsetzbar und eignen sich daher besonders gut als Videografie-Mikrofon.

Mit Tonangel oder ohne?

Richtmikrofon an einer Tonangel

Wenn man für den Dreh neben dem Kameramann eine zusätzliche Person verfügbar hat, sollte man dies unbedingt nutzen. Besonders, wenn diese eine Tonangel bzw. Boompole zu bedienen weiß. Ansonsten sind die Grundlagen für die Handhabung aber auch schnell gelert. Es gibt zahlreiche Youtube-Videos oder Ratgeber-Blogs, die diese anschaulich erklären. So. z.B. dieses hier:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Ein hochwertiges Richtmikrofon an einer Tonangel zu nutzen bietet die bestmögliche Tonqualität. Zumindest, wenn man, wie immer notwendigerweise, entsprechend nah an die Tonquelle herangeht. Mit einer Tonangel kann man natürlich näher an die Tonquelle, als mit Kamera und Aufsteckmikrofon. Zumindest, wenn es sich um eine Person handelt. Eine Kamera mit Aufsteckmikrofon in 30 Zentimetern Abstand vor das Gesicht eines Interviewpartners zu halten ergäbe zwar auch einen guten Ton. Das Bild würde allerdings genauso leiden wie die Beziehung zur jeweiligen Person.

Störende Schatten vermeiden

Das Mikrofon an einer Tonangel kommt in der Regel von oben und ist nach unten gerichtet. Dies bewirkt, dass quasi keine störenden Hintergrundgeräusche eingefangen werden. Vom Boden kommen schließlich meist keine Geräusche, bis auf kleinere Geräuschreflektionen. In bestimmten Situationen kann die Tonangel aber auch von unten an die sprechende Person herangehalten werden. Und zwar z.B. dann, wenn das Licht steil von oben einfällt. In diesem Fall kann die Tonangel schnell einen Schatten ins Bild werfen. Das kann Beispiel bei einer hoch stehenden Sonne der Fall sein. Oder auch durch Scheinwerferlicht von oben, z.B. von Stadionscheinwerfern. Dies gilt es natürlich unbedingt zu vermeiden.

Einsatz eines zweiten Videografie-Mikrofons sinnvoll

Arbeitet man mit einem Richtmikrofon an einer Tonangel, ist ein Zweitmikrofon sinnvoll. So sollte z.B. ein zusätzliches Richtmikrofon auf der Kamera als Absicherung installiert sein. Damit kann man auch vor oder nach dem Dreh Umgebungsgeräusche aufnehmen. Diese kann man dann in der Postproduktion unter die Sprach-Tonspur legen. Und zwar ganz in der gewünschten Lautstärke.

Richtmikrofon als beste Allround-Lösung

Besonders als Solo-Videograf  such man zunächst oft erst einmal nur nach einem Videografie-Mikrofon für alle Zwecke. Dafür ist ein anschraubbares Gerät wie das Rode VideoMic Pro oder das Rode VideoMic NTG die beste Lösung. Diese verfügen über einen mit 3,5mm Klinkenanschluss . Somit lassen sie sich direkt an die Kamera anschließen. Die Stromversorgung erfolgt per Batterie. Hat man für bestimmte Drehs einen Tonmann zur Verfügung, kann man diese Mikrofone auch an einer Tonangel befestigen, für eine noch nähere und bessere Aufnahme.

Lavaliermikrofon

Lavalier-Mikrofon

Lavalier-Mikrofone sind für viele Drehs das unkomplizerteste Mittel der Wahl. Besonders dann, wenn man Personen interviewt, die viel Bewegungsfreiheit brauchen. Das Mikrofon wird an den Kragen geheftet und der Sender in der Hosentasche versteckt. Der Empfänger  wird in der Regel auf die Kamera gesteckt. Für jede weitere Person und jeden Sender braucht es auch einen eigenen Empfänger. Für den Einsatz benötigt man in kleinen Videoproduktionen oft keine zusätzliche Person, die sich nur um den Ton kümmert. Wenn diese Mikrophone einmal richtig angebracht und eingepegelt sind, sind sie wenig störungsanfällig. Als Videografie-Mikrofone sind sie daher in vielen Situationen bestens geeignet.

Bewegungsgeräusche vermeiden

Für die beste Sprachqualität sollten Lavalier-Mikrofone am Kragen direkt unter dem Mund platziert werden.Besonders wichtig ist es, darauf zu achten, dass keine Kleidungsstücke der Interviewperson am Mikrofon reiben. Bei Bewegungen kann es schnell passieren, dasss der Kragen oder z.B. ein Schal immer wieder an das Mikrofon gerät. Dies macht sich in deutlichen Störgeräuschen bemerkbar.

Eine sichere Variante, um dies zu vermeiden ist es, das Mikrofon mit Klebeband innen an der Kleidung zu befestigen. Man kann dies so positionieren, dass das Mikrophon ein Stück weit oben rausguckt. Unter einem dünnen Stoff kann man es jedoch auch komplett verstecken. Zum Beispiel unter einem T-Shirt oder einer Bluse. Die Tonqualität wird dadurch nur minimal und unmerklich verschlechtert. Bei Außendrehs ist auf diese Weise auch schon für einen Windschutz gesorgt.

Wenn das Mikrofon nicht zu sehen sein soll, empfiehlt sich diese Positionierung natürlich besonders. Dies ist bei Spielfilmen grundsätzlich immer der Fall. Bei Imagefilmen oder Firmenportraits ist ein sichtbares Mikrofon dagegen meist kein Weltuntergang. Bei Dokumentarfilmen kommt es darauf an, ob ein sichtbares Mikrofon das Geschehen weniger authentisch wirken lässt, als gewünscht.

Auch bei Interviews für ein Eventvideo ist ein Lavalier-Mikrofon eine sehr gute Wahl. Hier ist beim Verkabeln der Interviewpartner aber besondere Genauigkeit wichtig. Denn auf einem Event haben diese – bei spontanen Interviews – oft nur wenig Zeit. Auch der Soundcheck fällt dann dementsprechend kurz aus. Eine störungsfreie Verkabelung ist somit besonders entscheidend. Denn eine Möglichkeit auf einen zweiten Take entfällt im Trubel des Events oft. Weitere wichtige Punkte zur Interviewführung auf Events und Messen findet Ihr hier.

Lavalier-Mikrofon an Anzug

Das passende Videografie-Mikrofon wählen: Bewegungsfreiheit als entscheidendes Kriterium

Die Tonaufnahme mit einer Tonangel und einem Richtmikrofon ist qualitativ zwar einem Lavaliermikrofon vorzuziehen. Wenn die Personen sich jedoch frei bewegen müssen, ist das Lavaliermikrofon die bessere Wahl. Dies ist z.B. bei einer Präsentation für ein Produktivideo oft der Fall. Es ist einfach zu schwer, den Ton in guter Qualität zu angeln, wenn zu viel Bewegung im Spiel ist. Man würde dabei  meist stark schwankende Lautstärken haben.

Zudem wäre häufig die Tonangel selbst oder deren Schatten im Bild. Ein Lavaliermikrofon nimmt fast keine Umgebungsgeräusche auf. Will man diese dennoch im Video haben, muss man sie mit einem anderen Mikrofon separat aufnehmen. Alternativ kann man in der Postproduktion auf ein Soundarchiv zurückgreifen. Die Ergebnisse sind damit zwar nur schwer so authentisch zu erstellen, wie wenn man die echten Umgebungsgeräusche aufnimmt. Oftmals sind Umgebungsgeräusche aus dem Archiv aber intensiver und somit wirkungsvoller als die echten. Hier kommt es darauf an die richtige Balance zu finden. Die Hintergrundgeräusche sollten maximal stimmungsvoll aber auch maximal glaubwürdig sein.

Studiomikrofon Rode

Kondensatormikrofon / Studiomikrofon

Ein Kondensatormikrofon ist das Studio-Mikrofon schlechthin. Somit wird diese Bauart als Videografie-Mikrofon für Außendrehs kaum eingesetzt. Ein Kondensatormikrofon bietet naturgetreue, warme und reiche Aufnahmen, ist aber sehr empfindlich. Es wird direkt vor dem Sprecher auf dem Tisch platziert und ist daher meist auch im Bild zu sehen. Qualitativ gibt es für Stimmaufnahmen in Innenräumen aber keine bessere Lösung. Für Interviews und V-Logs lässt sich ein Kondensator-Mikrofon also auch hervorragend als Videografie-Mikrofon nutzen. Dabei muss man sich eben die Frage stellen, ob man die auffällige Sichtbarkeit für eine sehr gute Sprachqualität in Kauf nimmt.

Beliebte Kondensatormikrofone sind z.B. das Rode NT-1A, das Blue Yeti Pro, das Sterling ST59 oder auch das Rode NT-USB. Letzteres kann man direkt per USB mit dem PC verbinden. Die meisten anderen Kondensatormikrofone haben dagegeb einen XLR-Anschluss und benötigen für die Verbindung mit dem PC einen Mischpult bzw. ein Audiointerface.

Bei einem Kondensatormikrofon sollte man einen Popschutz benutzen. Das ist ein kleiner Filter, der vor das Mikrofon montiert wird und Plop-Geräusche verhindert. Solche Töne entstehen, wenn beim Sprechen ein Luftausstoß auf die sensible Membran trifft.

Dynamisches Mikrofon

Dynamisches Mikrofon

Dynamische Mikrofone sind gute Allrounder, die hauptsächlich im Musikbereich genutzt werden. Sie sind robuster und meist auch schwerer als Kondensator-Mikrophone und kaum anfällig für Rückkopplungen. Damit sind sie gut geeignet als Handmikrofone für die Bühne, während Kondensatormikrofone dafür zu empfindlich wären. Auch für Konzerte bzw. Gesang auf einer Bühne eignet sich daher ein dynamisches Mikrofon bestens. Diese gibt es kabelgebunden und kabellos. Beliebte Modelle sind z.B. das Rode Procaster, das Shure MV7, das Sennheiser MD421 II oder das Shure SM58, das meist für Gesang genutzt wird. Als Videografie-Mikrofon kommen dynamische Mikrofone eher selten in Frage.

Zusammenfassung: Welches Videografie-Mikrofon ist das richtige für mich?

Für Vlogging-Videos (die man alleine dreht) kann man ein ansteckbares Richtmikrofon oder auch ein Lavalier-Mikrofon verwenden. Ein Richtmikrofon an einem festen Stativ über dem Kopf platziert oder ein Studio-Kondensatormikrofon ist qualitativ nochmal eine deutliche Verbesserung. Dies ist jedoch nur möglich, wenn man sich dabei nicht bewegt und das Video z.B. sitzend am eigenen Schreibtisch aufnimmt.

Wer sich (zum Start) für nur ein einziges Modell entscheiden will, ist mit einem Richtmikrofon wie dem Rode VideoMic Pro oder den günstigeren Schwestermodellen Rode VideoMic und Rode VideoMic Go am besten beraten. Als Low-Budget-Variante leistet auch das Takstar SGC-598 ordentliche Dienste. Eben vorausgesetzt – wie bei allen Mikrofontypen und -modellen – man bewegt es so nah wie möglich an die Tonquelle.

Schafft man sich zwei verschiedene Videografie-Mikrofone an, ist man mit einem ansteckbaren Richtmikrofon mit Klinkenanschluss und einem Lavalier-Mikrofon für die meisten Situationen gut ausgestattet.

Oliver Strecker

Über den Autor

Blackfish Films wurde gegründet von Oliver Strecker, der mit einem engen Netzwerk aus Videographen, Designern und Cuttern zusammenarbeitet, um keinen filmischen Wunsch unerfüllt zu lassen.

Im Bachelorstudium der Anglistik und Medien- und Kommunikationswissenschaft sowie dem Masterstudium der Medienkulturanalyse konzentrierte er sich auf die Bereiche Film, Psychologie, Medienwirkung und Sprache. Durch Stationen beim WDR Düsseldorf, dem Medienprojekt Wuppertal, der Filmwerkstatt Düsseldorf und als Projektmanager des bundesweiten Filmfestivals „JugendFilmtage“ baute er sein Filmwissen in Theorie und Praxis aus, was schließlich zur Gründung von Blackfish Films führte.

In diesem Blog dreht sich alles um das Thema Film, von praktischen Tipps zum Filmen bis zu Filmanalysen und technischen Entwicklungen. Er richtet sich also an Filmeschauer, Filmemacher und die, die es noch werden wollen.

Weitere Beiträge